Als die Spieler des UHC WR anfangs Oktober in Merenschwand pflichtbewusst der Wegbeschreibung der Swissunihockey-App folgten, dachten sie zuerst, es blühe ihnen nun im Industriegebiet nahe Merenschwand eine weitere berühmt-berüchtigte «Extrameile». Wer auch immer die Adresse der Halle hinterlegt hat, hatte wohl schon ein, zwei Gläser zu viel. Seibold wurde dabei gesichtet, wie er verzweifelt nach etwas suchte, was auch nur im Ansatz an eine Unihockey- respektive Sporthalle erinnerte. Er scheiterte und rief den Coach an. Dieser – nach so vielen Jahren im Business genau wissend, wo diese Halle eigentlich zu finden war – half gerne weiter. So kamen seine Schäfchen doch noch halbwegs pünktlich in der Halle an, wo gerüchterweise viel «Ramba Zamba» herrscht. Dass es in der Cafeteria aber keine «Freiämter Spätzle» gab, war eine leise Enttäuschung.
Eine noch viel grössere Enttäuschung war dann das Endergebnis des ersten Spiels. Im Spitzenkampf trafen die Regensdorfer Mannen auf die Giganten aus Lengnau, seit Jahren ein Spitzenteam in der 2. Liga, aber aufgrund der Reglemente leider (oder zum Glück? Man weiss es nicht) nicht aufstiegsberechtigt. Das Spiel war unterhaltsam und körperbetont. Der Schiedsrichter hatte es absolut im Griff und liess sich nicht auf der Nase herumtanzen. Schon früh war klar, dass er eine eher tiefe Foullinie hat und viel abpfeift. Dies sollte ein Spitzenteam nach wenigen Minuten begriffen und sich entsprechend darauf eingestellt haben. Doch das hatten weder die Lengnauer Pferde noch die Regensdorfer Industriefahrer. Beide wanderten Mal für Mal aufs Sündenbänkli. «You can’t score from the penalty box», sagen die Yankees. Wohl wahr, wohl wahr… Rägi tat trotzdem mehr fürs Spiel und führte die feinere Klinge (2 Franken ins Phrasenschwein). Aber Lengnau ist und bleibt einfach eiskalt. Und so war das Pausenresultat von 2:2 ein gerechtes. Kurz nach Wiederanpfiff war es Pipo Lätsch, der auf die ihm eigenen Art skorte und Rägi erstmals in Führung brachte. Dies brachte eine gewisse Sicherheit ins Spiel der Zürcher. Bis mal wieder einer aufs Sündenbänkli wanderte und von dort aus zusah, wie sich die alten Herren aus dem Surbtal die Kugel hin- und her spielten, geduldig wie ein Engländer beim Tee, und auf den richtigen Moment warteten, um dann genüsslich und stilvoll zuzuschlagen. Und schon stand es 3:3. You can’t score from the penalty box! Doch zu spielen war ja noch viel. Und dann kam der erste geniale Moment der «jungen Wilden», die Geissmann heute von der Leine liess. Alle drei zusammen etwa so alt wie einer ihrer Gegenspieler aus Lengnau alleine, schraubten sie das Tempo hoch und Lionel «Messi» Egger traf herrlich zum 4:3. Welch Kunstwerk eines Tores! «Messi! Messi!»-Rufe schallten durch die Arena. Und weil kurz darauf ein Lengnauer aufs Sündenbänkli musste, war es an Altmeister Seibold, die erstmalige 2-Tore-Führung herzustellen. Rägi hatte alles im Griff, Lengnau wirkte, als wäre es ihnen ein wenig gleichgültig, ob hier heute noch was zu holen war. Umso ärgerlicher, dass es Regensdorf war, das den Gegner geradezu einlud, wieder seelenruhig ihr Powerplay aufzuziehen. Nach zwei Powerplaytoren (gemütlich-chillig-englisch wie beim Tee) war das Spiel wieder ausgeglichen. You can’t score from the penalty box! Und weil Lengnau dann sogar noch ein «eifach öpis» Tor gelang, und Rägi im 4vs3 nicht mehr reagieren konnte (obwohl: die Chancen waren da, aber der gegnerische Torhüter lief plötzlich zur Hochform auf), blieb es beim knappen Sieg für die Altmeister. Die erste Niederlage für Regensdorf in dieser Meisterschaft. Bitter.
Im zweiten Spiel traf man auf Vallemaggia, welches Spieltag für Spieltag den weiten Weg aus dem hintersten Zipfelchen des Tessins in die Deutschschweiz auf sich nehmen muss – Respekt an diese Jungs. Das ist Leidenschaft für unseren Sport. Aber Rägi hatte heute schon genug Geschenke verteilt. Ziel war, hier einen von A bis Z dominanten Auftritt hinzulegen und eine Reaktion zu zeigen auf das verbockte erste Spiel. Und das gelang! Nach dem Führungstreffer durch Keller – kalt wie Hundeschnauze –, war es an den «jungen Wilden», dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken. Lionel (2x) und Hänni schraubten das Skore bis zur Pause auf 4:0. Rägi dominierte nach Belieben und konnte nach der Pause durch erneut Keller und erneut Messi (Hattrick-Boy) auf 6:0 erhöhen, ehe die Tessiner doch noch so was wie Gegenwehr zeigten und plötzlich drei schnelle Tore erzielten. Panikmodus? Mitnichten! Erneut waren es die Jungen, namentlich Nico Joc, denen es zu bunt wurde und die mit dem 7:3 wieder Ruhe reinbrachten. Im Powerplay traf dann auch noch Pipo Lätsch. Nach einer wunderbaren Kombination brauchte er nur noch einzuschieben. Beide Teams trafen dann noch je einmal ins jeweils leere Tor, Gefahr kam für Regensdorf keine mehr auf. Und so holte man sich mit dem 9:4 den dritten Sieg im vierten Spiel und grüsst weiter von der Tabellenspitze.
Am 25. Oktober geht’s weiter, mit zwei Spitzenkämpfen gegen die direkten Verfolger aus Schötz und Spreitenbach.