Nach einer ziemlich schwachen Saison kämpft die 1. Mannschaft des UHC WR zum
vierten Mal in den Playouts um den Ligaerhalt. Dort misst man sich mit dem UHT
Traktor Buchberg-Rüdlingen, Gruppenzweiter der 2. Liga Gruppe 4. Alles war
angerichtet für ein wunderbares Spiel 1 der Best of 3 Serie: Schmucke neue Halle in
Rüdlingen und zwei motivierte Teams, dazu eine tolle Fankulisse. Was will man mehr?
Nun ja, den Sieg natürlich. Beide Teams wollten hier vorlegen.
Es klingt zwar nach Phrase, aber das erste Drittel war tatsächlich eine Art «Abtasten»
der beiden Teams. Man belauerte sich und war eher noch auf Sicherheit bedacht, hin
und wieder wagte aber der eine oder andere einen Rush. Nach einem dummen
Wechsel der Gäste kriegte der Traktor-Topskorer viel zu viel Raum und hämmerte die
Kugel zum 1:0 ins Netz. Damit war die Partie lanciert. Rägi konnte dank starken Rushes
zurückschlagen. Mit einem 2:2 gings dann in die erste Pause, kurz vor der Pause waren
erstmals auch ein wenig Emotionen im Spiel. Aber alles halb so wild, ganz normale
Playout-Härte.
Im zweiten Abschnitt waren es wiederum die Traktoren, die nach einem Fehler in der
UHCWR-Defensive vorlegen konnten. Doch nur 2 Sekunden später («Bully-Goal»)
egalisierte Hulliger das Skore wieder. Das tat gut. Fortan war Rägi das
spielbestimmende Team und belohnte sich zweimal in der Person von Party Marty, der
richtig heiss lief am heutigen Abend, zur etwas beruhigenden 5:3-Führung. Das
technisch und läuferisch bessere Team schien das Spiel nun im Griff zu haben. Doch die
Playouts schreiben immer wieder ihre eigenen Geschichten, die Nerven spielen mit. Aus
dem sprichwörtlich absoluten Nichts kam das Heimteam plötzlich zum Anschluss- und
kurz darauf zum Ausgleichtreffer. Hier passte die alte Floskel: Rägi machte das Spiel, die
Traktoren die Tore. Bitter. Und das gab dem Heimteam nun natürlich Aufwind.
Getragen vom Support der Heimfans kamen sie zu zwei weiteren (zu einfachen!) Toren.
Vom 3:5 zum 7:5 aus Sicht des Underdogs. Rägi wankte. Doch der Cuphalbfinalist von
2025 fuhr nun die Krallen aus. Insbesondere das Trio Marty/Mathis/Lätsch lief heiss,
machte Druck, eroberte immer wieder zweite Bälle und belohnte sich für den grossen
Aufwand mit dem 7:6-Anschlusstreffer. Wichtig! Dann ergab sich kurz vor der Pause
noch eine aussichtsreiche Konterchance für Martin Joc – oder auch nicht… Der sonst
tadellose Schiedsrichter stand leider im Weg und unterband damit den Konter. Schade.
Aber sei’s drum, Fehler passieren – und Rägi macht ja selbst ganz viele davon… Das
Team von Coach Seibold war wieder dran und ging motiviert und angestachelt ins letzte
Drittel.
Und der Start ins letzte Drittel muss Mut machen, genau so müssen wir spielen: Rägi
war nun ganz klar das bessere Team, liess Ball und Gegner laufen und kreierte gute
Chancen. Block 3 liess viel zu viele von diesen liegen (aufgespart für Spiel 2!), Block 1
machte es besser, sie hatten einfach noch mehr Wille und Biss (davon dürfen sich alle
anderen noch eine Scheibe abschneiden). Das Trio erzwang – man muss es so sagen –
den Ausgleich und später sogar die Führung. Doch kaum führte Rägi, schaltete man
mental wieder einen Gang zurück. Durch dumme Fehler (unnötiges Anstechen /
Fehlpässe) ermöglichte man dem Gegner die Chance zum Comeback. Und dieser nahm
dankend an. Die Traktoren zeigten sich eiskalt. Zwei Fehler von Rägi, zwei Tore und
schon rannten die Gäste wieder einem Rückstand hinterher. Ärgerlich und
kräfteraubend. Nun kam jedoch die Stunde der Gebrüder Lätsch. Zuerst Pipo, nach
toller Vorarbeit von unserem Panzer Maurus Mathis, mit dem erneuten Ausgleich,
anschliessend Bulldog Äde Lätsch mit einem Würgtor zum 10:9. Stängeli! Die Bank
brannte, Rägi schien nun endgültig spielbestimmend. Die Chancen zum 11:9 waren da,
wurden aber allesamt liegen gelassen. Und so kam es, wie es kommen musste. Das
Heimteam – gar nicht mal unbedingt allzu zwingend – nutze seine wenigen Chancen
und kam wieder heran. Ja, sie gingen gar 11:10 in Führung, nach einem weiteren Fehler
des UHC WR. Das waren im Rückblick einfach viel zu viele Fehler im Spiel der
Regensdorfer. Noch einmal mussten alle Kräfte mobilisiert werden (Extrameile!), um
eine Verlängerung zu erzwingen. Und natürlich war es Party Marty mit seinem fünften
persönlichen Treffer, der den Ausgleich tatsächlich bewerkstelligte. Geiles,
nervenaufreibendes Spiel! Eines lässt sich sagen: so fehlerhaft und ineffizient Rägi auch
war, die Moral stimmte wenigstens.
Den Lucky Punch konnte schliesslich keines der beiden Teams mehr erzwingen (obwohl
beide noch Chancen hatten), weshalb es also in die Overtime ging. Die Spannung
reichte bis unters Hallendach der schönen neuen Halle in Rüdlingen. Die Teams
sammelten sich nochmals und dann pfiff der Schiedsrichter die Verlängerung an. Wem
sollte hier das 1:0 in der Serie gelingen? Die statistisch höhere Chance hatte natürlich
jenes Team, welches den Ball hatte – und das war eigentlich fast ausschliesslich Rägi.
Gefühlt 90% Ballbesitz für die Gäste. Doch so richtig zwingend wurde man nicht.
Irgendwie schien da eine gewisse Nervosität vorhanden. Aber eben: wer den Ball hat,
bestimmt das Spielgeschehen. Und so kam Rägi zu Chancen. Wusste diese aber
wiederum nicht zu verwerten. Und Ballbesitz alleine – das bewies schon der FC Chelsea
2012 gegen Tiki-Taka-Barcelona – garantiert noch keinen Sieg. Kurz vor Schluss der
Overtime fuhren die Traktoren einen Konter, unser starke Schlussmann Kübi konnte
noch halten. Doch die Traktoren blieben in Ballbesitz, der Ballführende schlich sich
hinter dem Tor herum, bekam zu viel Platz und platzierte den Ball tatsächlich unter der
Latte im Netz. Ein Stich ins Regensdorfer Herz. Overtime-Niederlage in Spiel 1. Kalt
geduscht von den Traktoren, die ausgiebig jubelten. Die Einweihung ihrer neuen Halle
war erfolgreich – wenn auch äusserst knapp. Jedoch keinesfalls unverdient. Der
Underdog war einfach viel effizienter. Gratulation an dieser Stelle. Sie feierten das
anschliessend noch bei Bier und Bratwurst. So soll es doch sein.
Coach Seibold sagte seinem Team im Anschluss, dass unser Glück irgendwann auch
aufgebraucht sein musste (nach vielen knappen Siegen in den Playouts oder im Cup,
einem fucking Buzzer Beater und insbesondere dem Overtime-Shorthander-Win im
Vorjahr gegen Semsales). Wichtig ist nur, wie man darauf reagiert. Und bei Rägi spielt
man nicht zum ersten Mal eine solche Serie (für gewisse Teamoldies ist es gar die fünfte
solche Serie). Man weiss, dass es noch lange gehen kann. Nun gilt es, die Krone zu
richten, die Fehler zu analysieren und im Heimspiel zurückzuschlagen. Kommt alle
vorbei und unterstützt uns am Samstag, 11. April, 14 Uhr in per Pemo-Arena in
Buchs! Es braucht jetzt alle: Fans, Vorstand, Coaches, Ersatzspieler, Goalie, Skorer,
Vorlagengeber, Wadenbeisser, Motivator, Jungspund, Routinier. Jeder hat seine Rolle.
Also: Brust usä und dänn gömer zämä die Extrameile, holemer zämä de Heimsieg! Heja
Boys.
Autor: R.G aka Geissmä