Unihockey

Wehntal

Club

Regensdorf

Erster Tag der Finalrunde

Geschrieben am 15. April 2017 von Tobias Müller

Nach mehreren schlaflosen Nächten und mehreren Träumen, in denen es für unser Team kein glückliches Ende gab, erwachte ich am Samstag um 7 Uhr. Gedanklich hell wach, körperlich total kaputt richtete ich mich nach 3 Stunden Schlaf auf. Als ich auf mein Handy sah, erschrak ich. Ich war nicht der Einzige der mit Herzflattern den Tag in Angriff nahm.

Silvio hatte bereits viele motivierende Sprüche in den Trainerchat geschrieben und hinterlegte diese mit Bildern unserer Mannschaft. Lars erklärte sich sofort bereit, diese Blätter auszudrucken Beide waren bereits wach und wie auch ich angespannt auf das was unweigerlich immer näher rückte.

 

Heute ist der Tag der Tage. Zusätzliche Trainings und Repetitionen mehrerer taktischen Ausrichtungen und Spielformen mussten die Jungs über sich ergehen lassen. Doch nun waren wir bereit. Als bester Gruppenzweiter hatten wir die schlechtesten Karten, an dieser Saisonendrunde etwas zu reissen.

Der Trainerstab traf sich um 13 Uhr, die Jungs wurden um 13.30 Uhr erwartet. Wir sahen unseren Gegnern erst einmal zu und bemerkten, dass Wolhusen nicht gerade der stärkste Gegner war. Schnell war klar, gegen wen es um den 1. Gruppenplatz gehen würde. UHC Wyland, die die Gruppe unserer B2 Mannschaft gewonnen hatte, schoss sich gegen Wolhusen richtig warm. Trotzdem ist Wolhusen nicht zu unterschätzen. Wyland verwertete etwa 80 % ihrer Chancen und ging relativ früh klar in Führung. Gegen diesen Gegner müssen wir eine sehr gute Defensive spielen. Das dieser Gegner uns noch länger beschäftigen wird und seine Schüsse uns ins Unglück stürzen würde, war uns in diesem Moment noch nicht bewusst.

 

Das erste Spiel gegen Wolhusen stand an. Alle waren nervös. Ich selbst erinnerte mich noch gut an die letzte letztjährige Regionalmeisterschaft mit den B2 Junioren. Am Samstag verlief damals alles nach Plan. Doch jetzt war alles anders. Headcoach statt Ass. Coach, ein nicht allzu grosses Selbstvertrauen und kein erfahrener Coach wie im letzten neben mir.

Nun wäre es Zeit für meine Rede. Ich sah den Spielern in die Augen und sah ihnen die Nervosität und die Angst zu versagen ins Gesicht geschrieben. Ich muss die Spieler beruhigen und sie gleichzeitig einheizen auf das Spiel.

«Jungs, ihr habt hier überhaupt nichts zu verlieren. Wir sind als Letzter in diese Endrunde hineingerutscht und dürfen auch als Letzte wieder gehen. Das einzige was wir heute müssen, ist unser Spiel zu spielen. Egal ob es klappt oder nicht, vertraut unserem System und alles wird gut heute.»

Als wir aus der Kabine kamen wusste ich, dass dies eine der schlechtesten Ansprachen war die ich je gemacht habe. Ich konnte den Jungs die Nervosität nicht nehmen und hoffte auf einen schnellen Treffer meines Teams, damit sie befreiter aufspielen konnten.

 

UHC Wehntal Regensdorf vs. UHC Wolhusen: 3:3 (1:1)

Bevor das Spiel begann, wurden die First-Four vorgestellt. Das fand ich einmal eine ganz tolle Idee den Jungs noch einmal etwas Aufmerksamkeit zu geben und ihnen zu Zeigen dass dies nun keine normale Meisterschaft mehr war.

Der Schiedsrichter pfiff das Spiel an und die Endrunde war für das Team aus Wehntal Regensdorf eröffnet. Das Spiel verlief gar nicht meinem Geschmack. Nur Einzelleistungen, keine Ballübergaben, viel zu lahme Pässe. Man sah der Mannschaft an, dass sie den Gegner unterschätzt hatte und deswegen noch nervöser wurde als sie es bereits war. Die Zeit verrann und Wolhusen spielte besser als wir. In der 14 Minute war es soweit. Der vierte Block, die Spieler die sich am wenigsten kannten, kam zu wenig schnell von einem Angriff zurück in die Defensive und dies nützte Wolhusen gnadenlos aus und traf zum 0:1.

Dieser Treffer verunsicherte die Jungs noch viel mehr. Das war einfach nicht unser Spiel. Nach weiteren drei Minuten korrigierte der vierte Block ihren Fehler wieder. Ein tolles Zuspiel von Nico an Janis der den Ball eiskalt in die Maschen schoss. Die Jungs konnten endlich etwas Nervosität ablegen, fanden aber dennoch nicht zu ‘unserem’ Spiel.

In der Pause versuchte ich das Team wieder aufzustacheln, nochmals versuchen unser Spiel aufzuziehen und somit zu den gewöhnlichen Torchancen zu kommen. Mit neuer Stimmung ging die Mannschaft auf das Feld. Ich dachte nicht, dass meine Ansprache etwas nützen würde. Ich sah es ihnen in den Augen. Viele konnten die Angst noch nicht ablegen.

Die zweite Halbzeit fing schlechter an als die erste Hälfte. Ein überhasteter Pass wurde zur Torvorlage für Wolhusen und diese nutzen dieses Geschenk. Eine Minute gespielt und bereits wieder im Hintertreffen. Das kann doch nicht wahr sein. Lähmt diese Nervosität unser Spiel so enorm? Wir passen uns nicht einmal dem Spiel des Gegners an, wir unterbieten dieses Niveau. So etwas habe ich in meiner doch schon etwas längeren Trainerkarriere von 6 Saison’s noch nie gesehen.

Philipp Lätsch wollte nun das Zepter dieses Spiels übernehmen und die Partie nochmals kehren. Doch dies tat er so unüberlegt und ungeschickt, dass er eine zweiminütige Pause einlegen durfte. Ich schickte den zweiten Boxplayblock auf das Feld und überlegte mir ein zweites Pärchen als es schon wieder ein Tor zu bejubeln gab für Wolhusen. Ich konnte es nicht fassen, wir haben so oft Boxplay geübt, mit zwei, sowie mit drei Spielern ohne Torhüter. Wie konnte es passieren das wir keine zehn Sekunden gegen eine solche Mannschaft unser Tor sauber halten konnten.

Das Spiel brachte mich zur Verzweiflung. Ich nahm den ersten Block zur Seite und gab ihnen einen neuen, einfachen Laufweg mit um die Abwehr der Wolhuser zu durchdringen. Und siehe da, es klappt hervorragend und Joel Zweifel, der mich diese Saison am Meisten zum Verzweifeln brachte, schoss den Ball in die Maschen. Der Anschlusstreffer war da und somit auch wieder neue Hoffnung in der Mannschaft.

Nun wurden die Wolhuser etwas ungeduldig und holten sich eine dumme Strafe ab. Das haben wir ebenfalls genügend geübt. Block eins ging auf das Feld und zum Wehklag meiner ganzen Mannschaft nahm ich Jan Stehli hinaus uns schickte Nico als vierten Feldspieler auf das Feld. Und da belohnten sich die Jungs für die vielen Trainings, in denen wir das geübt haben. Joel spielte ein Zuckerpass auf den bereitstehenden Saharit, der uns mit seinem Tor ein etwas unverdientes Unentschieden sicherte.

Das Spiel war eines der schlechtesten Spiele die ich in dieser Saison von meiner Mannschaft gesehen habe. Die Ansprache verlief dementsprechend. Mit klaren Worten verlies ich die Kabine und stürmte an allen Eltern vorbei, nach draussen. Luft, ich brauchte Luft. Was war denn das. So etwas habe ich noch nie gesehen von meiner Mannschaft. Ich zog meine Schlüsse aus dem Spiel und konzentrierte mich auf die zweite Partie.

 

Das zweite Spiel stand an und dieses Mal musste ich es mit meiner Ansprache bringen. Die Nervosität zu nehmen war schwierig, weil ich ebenfalls total nervös war. Nun war mir alles egal. Egal ob wir gewinnen oder verlieren. Ich muss in der Garderobe cool bleiben und die Jungs auf die spielerische Seite zurückbringen. Wir spielen Unihockey nicht für Geld, sondern um Spass am Sport zu haben. Und so spielen meine Jungs einfach am besten.

«Jungs, nun geht es um nichts mehr. Wir können nur noch gewinnen. Vorhin haben wir nicht unser Spiel gespielt. Wir haben uns von der Nervosität leiten lassen und nicht bemerkt, dass sie uns lähmt richtiges Unihockey zu spielen.

Mir ist es wichtig, dass wir jetzt nochmals alles geben. Egal was passiert auf dem Feld, wir geben alles. Und zwar aus einem Grund. Wir haben es uns verdient. Wir haben es verdient auf diesem Feld zu stehen, unser Unihockey zu spielen und unsere Freude an diesem Sport zu zeigen. Nicht nur wir haben uns das verdient. Nicht nur für uns sondern auch für alle Fans, die die ganze Saison gekommen sind um uns zu unterstützen. Alle die die hier sind. Sie haben es ebenfalls verdient zu sehen, wie wir eigentlich spielen. Egal wieviele Tore man schiesst. Wenn man auf die Tribüne sieht und jemand dir applaudiert… Dies ist doch das Grösste für einen Spieler. Genau diese Fans haben es ebenso verdient.

Egal was wir jetzt für ein Resultat herausspielen. Wir gehen alle zusammen in das Restaurant Valentinos auf Kosten unserer Tippzettelbeiträge. Und dort dürft ihr alles auswählen. Ihr dürft auch alles Trinken was ihr wollt. Ausser Cola, Fanta, Ice Tea, Wasser mit Kohlensäure. Eigentlich dürft ihr im Moment nur stilles Wasser trinken. Wollt ihr dies ändern? Spielt euer Unihockey, habt Freude auf diesem Platz zu stehen und realisiert, dass es keine Qual sondern ein Privileg ist, in einer Endrunde spielen zu dürfen. Macht es für euch, macht es für eure Fans und macht es für euren Trainerstab. Wir alle haben es verdient Spass zu haben, also geht da hinaus und liefert uns ein Spiel, an dem man Spass haben kann!»

Mit diesen Worten und einem überlauten Schrei gingen wir aus der Kabine. Wir waren bereit. Ich weiss es.

 

UHC Wehntal Regensdorf vs. UHC Wyland: 9:6 (4:2)

Wieder wurden die First-Four auf dem Platz vorgestellt. Schnell entschied ich mich diesmal Block 2 auf den Platz zu lassen. Bei möglichen vier Spielen wäre es doch schön, wenn jeder Spieler einmal namentlich erwähnt würde.

Das Spiel war hektischer und intensiver als das vorherige. Den Jungs merkte man eine Veränderung an. Sie spielten erleichterter als noch zuvor gegen Wolhusen, somit habe ich meinen Job mit dem Einschwören diesmal besser gemacht.

Ein Schuss von der zweiten Reihe brachte den Gegner mit 0:1 in Führung. Doch die Freude von Wyland wurde kurzerhand von Joel auf Pass von Philipp gebremst. Es war ein Hin und Her. Mehrere Chancen auf beiden Seiten wurden entweder vergeben oder durch eine gute Defensive zunichte gemacht. Die Spieler setzten die Defensive gewohnt souverän um und liessen nicht vieles zu. Und nun begannen wir stärker zu werden. Das gleiche Duo traf zum Führungstreffer. Dies war die erste Führung die wir in dieser Endrunde hatten. Und genau dies beflügelte die Mannschaft. Kurz darauf legte Niels Dill für Fabian auf und dieser versenkte den Ball ganz cool in die Maschen. Doch nicht genug, Philipp liess alle Gegenspieler stehen und setzte nochmals einen Treffer drauf. Den Abschluss dieser ersten Hälfte machte Wyland mit dem Anschlusstreffer zum 4:2.

Die Jungs spielten so, wie man dies in der ganzen Saison beobachten konnte. Defensiv nicht viel zulassen und Offensiv sich Chancen herausspielen. Es war dieses Mal einfacher den Jungs in der Pause gegenüber zu stehen. «Genau so möchte ich mein Team sehen. Genau so müssen wir weiterspielen um uns und die Fans für unser Aufwand zu belohnen. Spielt so weiter. Ihr habt euch für heute Abend die Kohlensäure in eurem Stillen Wasser verdient. Nun geht es um die Süssgetränke!»

Die zweite Hälfte begann wie die Erste aufgehört hatte. Umkämpft, chancenverschwendend und spannend. Nun kam der vierte Block zu einem überzeugenden Angriff, der eingeleitet wurde von Marc Bachmann und von Nico Klein mit einem Treffer vergoldet wurde. Nach mehreren Chancen auf beiden Seiten schickte ich meinen Junioren C Block wieder auf das Feld. Von vielen habe ich gehört: «Spielt doch besser mit drei Linien als mit vier.» oder «Ich würde den Block mit den C Junioren nicht durchgehend einsetzten.» Doch auf diese Jungs konnte man sich immer über eine Überraschung freuen. Mit einem Querpass von Fabian bedient, liess sich unser Jungspund Noel Kubli nicht zwei Mal bitten und setzte den Ball zwischen die Pfosten! Diese vier Tore Führung hielt aber nicht ganz so lange wie wir das gerne hatten. Innerhalb von einer Minute verwandelte Wyland ein 6:2 in ein 6:4 und fing wieder an zu hoffen. Dies weckte die Spieler auf und Janis verwandelte kurz darauf einen Pass von Nico zum 7:4. Nun geling uns eine Serie. Eine Minute darauf schoss der Captain einen weiteren Treffer. Eine Minute darauf wurde für uns auf Penalty entschieden. Bei uns lief der gefoulte Janis auf und verwandelte ohne grosse Mühe zu einem Zwischenstand von 9:4.

Nun sollte doch diese Partie gegessen sein, meinten viele Zuschauer, aber wie bei allen Hockeysportarten kann es sehr schnell gehen. 39:03 und 39:39 doppelte der Gegner nochmals, was jedoch nur noch Resultatkosmetik war.

Als der Schlusspfiff ertönte, war die Freude gross. Alle warfen sich auf Torhüter Valentin, der wie auch vorhin Jan Stehli, hervorragend gehalten hat. Auch ich legte meinen Körper auf die am Boden liegenden und feiernden Jungs, was zum Glück für die Spieler keine Folgenschäden hatte. Wir haben nicht nur die Halbfinale erreicht (die ich als knappes Ziel angesehen habe nach dem ersten Spiel), wir haben den Halbfinal als Gruppensieger erreicht!

 

Nachdem sich alle wieder beruhigt haben und die Jungs frisch geduscht und wohlriechend vor mir standen, fuhren wir gemeinsam zu Valentino’s Pizza e Pasta. Wir liessen uns verwöhnen von all den guten Pizzen und hatten einen schönen Abend.

Als ich zuhause war und mir verdientermassen ein Bier genehmigte, sah ich nochmals auf die vergangene Saison und den letzten Tag zurück. Meine Mannschaft hat sich dies bis dahin alles verdient. Wie weit wird es Morgen noch reichen???

 

Tobias Müller

Head Coach Junioren B1

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